Suche

Kunden Log-In

Kündigung mit Stil

Outplacement-Berater begleiten Arbeitnehmer, die entlassen werden mussten, und helfen ihnen, einen Job zu finden.

Ryan Bingham jettet kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika und entlässt reihenweise Leute. Das ist sein Beruf: Bingham kommt überall dort zum Einsatz, wo das Management eines Unternehmens nicht selbst den Mut hat, das Personal zu feuern. Charmant, mitfühlend, aber bestimmt übernimmt der Profi-Rausschmeißer diesen Part. Allerdings ist Bingham nur eine Filmfigur aus dem Hollywood-Blockbuster "Up in the air". Und der habe wenig mit der Realität des Geschäftsfeldes "Outplacement" zu tun -zumindest nicht mit dem Berufsalltag deutscher Kündigungsbegleiter, stellt der stellvertretende Vorsitzende des Fachverbandes Outplacement-Beratung, Herbert Mühlenhoff, klar. Tatsächlich kommen er und seine Kollegen in der Regel erst ins Spiel, wenn die Kündigung von den Vorgesetzten längst ausgesprochen worden ist.

Abstieg in die Arbeitslosigkeit verhindern

Unternehmen buchen Outplacement-Beratungen inzwischen häufig, wenn ihnen mittel- bis langfristig Kündigungen ins Haus stehen. Diese speziellen Agenturen sollen helfen, den dauerhaften Abstieg des ehemaligen Personals in die Arbeitslosigkeit zu verhindern. Aufgabe des Outplacement-Beraters ist es also, den entlassenen Mitarbeiter in eine andere Anstellung zu begleiten. Dafür qualifizieren sie ihn wenn nötig weiter und vermitteln ihn im Idealfall in einen neuen Job. Experten glauben, dass dieser Weg der "sanften Kündigung" auch für die Firmen Vorteile hat. Zwar müssen sie die Kosten für eine Outplacement-Agentur bezahlen, andererseits scheidet der Entlassene zufrieden aus dem Unternehmen aus, langwierige Prozesse vor dem Arbeitsgericht bleiben ihnen daher ebenso erspart wie ein Imageverlust. Denn wenn bekannt würde, dass ein renommierter Betrieb ohne schlechtes Gewissen verdiente Mitarbeiter feuere, sei das mehr als nur ein Marketingproblem, sagt Alexander Cisik, Professor für Wirtschaft und Arbeitspsychologie an der Hochschule Niederrhein. "Auch für die nicht gekündigten Mitarbeiter ist es wichtig zu wissen, dass ihrer Firma nach der Kündigung noch etwas an ihren ehemaligen Angestellten liegt", sagt Cisik.

Das Outplacement, das sich in den USA bereits nach Ende des Zweiten Weltkriegs entwickelte, etabliert sich auch hierzulande. In Krisenzeiten erlebt es zudem einen regelrechten Boom. Und: "Mittlerweile ist es nicht mehr nur die kleine Riege der Führungskräfte, der nach dem beruflichen Aus eine besondere Betreuung geboten wird", weiß der selbstständige Personalberater Karl-Heinz List. Auch ein Fachangestellter bekomme im Falle einer Kündigung immer häufiger die Möglichkeit, sich von einer Outplacement-Agentur begleiten zu lassen. Einer Studie der Personalberatung Kienbaum zufolge entspricht das dem Willen der Mitarbeiter. Bei einer Online-Befragung gaben 32 Prozent der Teilnehmer an, dass sie sich im Falle einer Kündigung eine entsprechende Begleitung wünschen.

Ob Top-Manager oder einfacher Angestellter: Der erste Schritt des Beratungsprozesses ist in jedem Falle eine Standortbestimmung. "Menschen werden aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen eingestellt und wegen ihrer Persönlichkeit entlassen", benennt Alexander Cisik einen Hauptgrund für Kündigungen. Darum stehe bei den ersten Gesprächen immer der Charakter des Klienten im Vordergrund. So geht auch Mühlenhoff vor: "Wie geht es mir? Was sind meine Stärken und Schwächen? Wo möchte ich hin?" Diese Fragen will er in der ersten Phase beantwortet wissen. Den zweiten Schritt bezeichnet der Experte als "Trainingsphase". Die Präsentation der eigenen Person bei potenziellen neuen Arbeitgebern werden in Team- oder Einzelsitzungen eingeübt. Gemeinsam mit dem Kunden werden später sogar Bewerbungen geschrieben. "Bei der so genannten Coaching-Campagne stellen wir Büros mit der kompletten Infrastruktur zur Verfügung", sagt Mühlenhoff. Experten wie er sehen in der Potenzialanalyse einen der wichtigsten Bestandteile der Karriereberatung. Dazu gehören Persönlichkeitstests ebenso wie die genaue Betrachtung der beruflichen Erfolge und Misserfolge. Dennoch, das stellt Outplacement-Berater Mühlenhoff klar, wollen Agenturen wie die seine wirtschaftlich arbeiten. Der Umfang der Betreuung definiere sich über den Preis, den das ehemalige Unternehmen für die Outplacement-Leistung zahle.

Intensive Zusammenarbeit

Im besten Fall verfügen die Outplacement-Berater selbst über ein weit verzweigtes Netzwerk in der Unternehmenslandschaft. So erklärt sich die Branche auch ihre großen Vermittlungserfolge, die sie mit 95 Prozent beziffert. Mühlenhoff beispielsweise rekrutiert seine Berater überwiegend aus den Personalabteilungen großer Konzerne. "Meine Mitarbeiter müssen eine akademische Ausbildung haben, mindestens 35 Jahre alt sein und Berufserfahrung mitbringen", sagt er. In seiner Agentur würden sie dann permanent weitergebildet. Mühlenhoff schätzt die Zahl der privaten Outplacement-Berater in Deutschland auf 500 bis 600. "Sie bearbeiten etwa 10 000 Fälle", so Mühlenhoff. Genaue Zahlen ließen sich jedoch nur schwer erfassen, weil das Geschäftsfeld unübersichtlich sei. Außerdem bieten immer mehr Unternehmensberatungen einen Outplacement-Service an.

Eine Ursache für den Erfolg der Outplacement-Agenturen ist das Betreuungsverhältnis: Im Vergleich zur Vermittlung durch die Agentur für Arbeit sei die Begleitung durch die privaten Unternehmen intensiver, bestätigt Wirtschaftswissenschaftler Cisik. Der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater geht davon aus, dass ein Outplacement-Berater meist nicht mehr als zwölf Kunden betreut -"einige von ihnen im Notfall auch Tag und Nacht", so Mühlenhoff. Bei der Arbeitsagentur sehe das Betreuungsverhältnis gänzlich anders aus: Dort bearbeite ein Vermittler ein Vielfaches an Fällen. Daraus leitet sich letztlich auch beim Outplacement das Erfolgsrezept für einen neuen Job ab: Je besser die Qualifikationen, desto besser die Vermittlungschancen.

------------------------------

Sanfte Kündigung

Die Entstehung des Outplacement

Das Geschäftsfeld des Outplacement entstand nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA. Damals kamen viele Soldaten aus dem Ausland zurück und konnten keinen Dienst mehr in der Army verrichten. Ziel des Outplacement war es also, die ehemaligen Soldaten wieder in zivile Berufe zu integrieren. In den 1960er-Jahren haben amerikanische Psychologen erkannt, dass das Verfahren der "sanften Kündigung" auch in der freien Wirtschaft funktionieren kann. So hielt das Outplacement Einzug in die großen Konzerne. Mittlerweile wird Outplacement immer häufiger als Newplacement bezeichnet. Damit sollen die Chancen des Verfahrens stärker hervorgehoben werden, da der Begriff "out" zu sehr ans "Rausschmeißen" erinnert.

Outplacement in Deutschland

In Deutschland fasste das Outplacement als Dienstleistung erstmals 1979 Fuß. In den vergangenen Jahren ist der Trend stark gewachsen. Besonders viele DAX-Unternehmen engagieren für den Prozess nach der Kündigung ihrer Mitarbeiter Agenturen, die sie weiter betreuen sollen. Laut Expertenangaben ist Outplacement-Beratung heute nicht mehr auf Manager beschränkt, sondern kommt auch anderen qualifizierten Mitarbeitern zugute. Bei manchen betriebsbedingten Kündigungen wird es sogar in den Sozialplänen für alle Betroffenen vereinbart. Im Jahr 1993 schlossen sich die führenden Outplacement-Agenturen zu einer Untergruppe des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater zusammen. Mehr Infos im Internet.

www.outplacementberatung.bdu.de

------------------------------

Grafik : Verteilung der Mandate im Einzeloutplacement nach dem Alter der betreuten Kandidaten, 2007

30 bis 35 Jahre 8 %

35 bis 40 Jahre 24 %

40 bis 50 Jahre 48 %

über 50 Jahre 20 %

Grafik: Verteilung der Gehaltsklassen der im Einzeloutplacement betreuten Kandidaten, 2007

Foto: Charmanter Rausschmeißer: In dem Film "Up in the air" mimt George Clooney den Kündigungsbegleiter.

Autor: Simon Fischer

28.8.2010

Fri, den 11 January 2019Warum Unternehmen sparen, wenn sie Outplacement finanzieren

Januar 2019, Düsseldorf - Outplacement hat sich zu einem etablierten Instrument der Personalarbeit...[more]

Category: Aktuelles
Mon, den 14 May 2018Wer braucht im boomenden Arbeitsmarkt Newplacement?

Herbert Mühlenhoff, Geschäftsführer der Mühlenhoff Managementberatung GmbH, beleuchtet in seinem...[more]

Category: Aktuelles
Tue, den 15 March 2016Qualifizieren und Weiterbilden mit der Mühlenhoff Online-Akademie

Die jüngst gestartete Online-Akademie der Mühlenhoff Managementberatung ist eine...[more]

Category: Presse, Pressemitteilung
Mon, den 12 December 2011Herbert Mühlenhoff: „Trennungsberater müssen Job-Search bieten.“

Ein zentrales Interesse von Arbeitgebern, die ihren Mitarbeitern in Trennungsprozessen Outplacement...[more]

Category: Presse, Pressemitteilung
StandortkarteStandortkarteBusiness Coaching HamburgBusiness Coaching BerlinOutplacement HannoverBusiness Coaching DüsseldorfBusiness Coaching FrankfurtOutplacement NürnbergOutplacement WienOutplacement MünchenBusiness Coaching StuttgartOutplacement BaselOutplacement Zürich
Wir verwenden Cookies, um Ihnen das beste Nutzererlebnis bieten zu können. Wenn Sie fortfahren, diese Seite zu verwenden, nehmen wir an, dass Sie damit einverstanden sind. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz. Impressum Verstanden